Das Steuer-Schlupfloch bei der neuen Zuckersteuer: Lohnt sich jetzt der Cola-Einkauf auf Helgoland?
Die geplante Zuckersteuer soll Limonaden und Energydrinks in Deutschland bald spürbar teurer machen – außer auf Helgoland und in Büsingen. Wir erklären, warum dieses kuriose Schlupfloch für Ihren Geldbeutel trotzdem eine Illusion bleibt und wie Sie stattdessen wirklich sparen.


Es ist beschlossene Sache: Nach langem Ringen soll die Zuckersteuer in Deutschland eingeführt werden. Limonaden, Cola, Eistees und die beliebten Energydrinks werden damit bald spürbar teurer. Das Ziel der Politik ist klar: Die Gesundheit der Bevölkerung fördern und den Zuckerkonsum senken. Doch wie so oft im deutschen Steuerrecht gibt es Ausnahmen, die aufhorchen lassen.
Laut dem aktuellen Gesetzentwurf gilt die neue Abgabe nämlich nicht im gesamten Bundesgebiet. Zwei bekannte Orte sind komplett von der Steuer befreit: die Nordseeinsel Helgoland und die baden-württembergische Exklave Büsingen am Hochrhein.
Sofort keimt bei findigen Schnäppchenjägern die Frage auf: Kann ich hier palettenweise steuerfreie Cola bunkern und bares Geld sparen? Wir von *Geldspur* haben nachgerechnet und zeigen Ihnen, warum dieses Schlupfloch eine süße Illusion ist – und wie Sie Ihren Geldbeutel im Alltag trotzdem effektiv vor der neuen Steuer schützen.
### Warum Helgoland und Büsingen eine Extrawurst bekommen
Dass ausgerechnet Helgoland und Büsingen von der Zuckersteuer verschont bleiben, ist kein Zufall, sondern liegt an ihrer besonderen zoll- und verbrauchsteuerrechtlichen Stellung. Büsingen am Hochrhein liegt zwar im Landkreis Konstanz, ist aber komplett von Schweizer Staatsgebiet umgeben. Wirtschaftlich gehört die Gemeinde daher zum Schweizer Zollgebiet.
Helgoland wiederum liegt in der Nordsee und gehört politisch zu Schleswig-Holstein, ist aber zoll- und umsatzsteuerrechtlich ein sogenanntes Drittlandsgebiet. Das bedeutet: Hier wird weder die normale Mehrwertsteuer noch die deutsche Alkohol- oder eben künftig die Zuckersteuer fällig. Was auf den ersten Blick wie das Paradies für preisbewusste Limonaden-Fans klingt, entpuppt sich in der Praxis jedoch als logistische und finanzielle Sackgasse.
### Die Ernüchterung im Supermarktregal
Wer nun glaubt, die Dose Cola auf Helgoland für wenige Cent abstauben zu können, übersieht die harte ökonomische Realität vor Ort. Insel-Unternehmer wie Sebastian Meinhardt, der den dortigen Edeka-Markt betreibt, bringen Licht ins Dunkel. Zwar fallen auf exportierte Waren theoretisch keine Verbrauchssteuern an. Doch in der Praxis fressen die extrem hohen Transportkosten jeden theoretischen Steuervorteil sofort wieder auf. Helgoland liegt rund 60 Kilometer vom Festland entfernt – jede Palette Limonade muss aufwendig per Schiff transportiert werden.
Hinzu kommt: Viele Händler vor Ort beziehen ihre Ware ganz normal über das deutsche Inlandsnetz und zahlen die Steuern beim Einkauf ohnehin. Dazu kommt auf Helgoland eine veraltete Gemeindeeinfuhrsteuer, die keinen Unterschied zwischen Importen und Inlandsstoffen macht. Am Ende zahlen Verbraucher auf der Insel für alltägliche Lebensmittel meist sogar deutlich mehr als auf dem Festland. Eine Extra-Fahrt zum zuckersteuerfreien Einkauf lohnt sich also rein rechnerisch in keinem Fall – die Fähr- oder Benzinkosten würden Ihr Sparpotenzial sofort vernichten.
### Wie Sie die Zuckersteuer im Alltag wirklich austricksen
Auch wenn das geografische Schlupfloch für die meisten Verbraucher flachfällt, müssen Sie die Preiserhöhungen im Supermarkt nicht einfach so hinnehmen. Es gibt clevere und völlig legale Wege, wie Sie Ihren Geldbeutel schonen können:
* **Auf Sirup und Wassersprudler umsteigen:** Die geplante Steuer zielt primär auf fertig gemischte, zuckergesüßte Getränke ab. Wer Leitungswasser selbst sprudelt und mit Sirup versetzt, fährt oft deutlich günstiger. Achten Sie beim Kauf von Sirup auf die Ergiebigkeit – oft lässt sich damit eine Menge Geld und Schlepperei sparen. * **Zuckerfreie Alternativen wählen:** "Zero"- und "Light"-Getränke, die mit Süßungsmitteln statt echtem Zucker hergestellt werden, sind von der Steuer in der Regel nicht im gleichen Maße betroffen oder gar gänzlich befreit. Ein kleiner Wechsel der Gewohnheit schont hier direkt den Geldbeutel. * **Eigenmarken bevorzugen:** Die Zuckersteuer wird voraussichtlich als Pauschale pro Liter erhoben. Das bedeutet: Prozentual gesehen steigen die Preise bei günstigen Eigenmarken zwar stärker an als bei teuren Marken-Produkten. Dennoch bleiben die No-Name-Produkte in absoluten Zahlen fast immer die günstigere Wahl. * **Vorräte klug planen:** Sobald das genaue Einführungsdatum der Steuer feststeht, kann es sich lohnen, haltbare Lieblingsgetränke im Angebot auf Vorrat zu kaufen. Aber Achtung: Kaufen Sie nur das, was Sie ohnehin verbraucht hätten – sonst zahlen Sie am Ende drauf.
### Unser Geldspur-Fazit
Die neue Zuckersteuer mag gesundheitspolitisch sinnvoll sein, für den Verbraucher bedeutet sie erst einmal eine weitere finanzielle Belastung im Alltag. Die vermeintlichen Steueroasen Helgoland und Büsingen taugen dabei leider nur als kuriose Randnotiz im Gesetzestext, nicht aber als echte Spar-Alternative.
Wer clever ist, passt seine Konsumgewohnheiten rechtzeitig an. Nutzen Sie die kommenden Wochen, um sich nach zuckerreduzierten Alternativen umzusehen oder auf kostengünstige Wassersprudler umzusteigen. So bleibt am Ende des Monats mehr Geld auf dem Konto – und ganz nebenbei tun Sie auch Ihrer Gesundheit etwas Gutes.
Redaktionelle Bearbeitung durch Geldspur. Ausgangsmeldung: Offenbach-Post
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