Die Bonus-Falle beim Stromwechsel: Wie Sie beim Sparen nicht draufzahlen
Ein Wechsel des Stromanbieters verspricht oft Ersparnisse von mehreren Hundert Euro. Wer jedoch bei den Filtereinstellungen der Vergleichsportale nicht aufpasst, tappt schnell in eine teure Abo-Falle.


Es klingt so einfach: Ein paar Klicks auf einem Vergleichsportal, und schon sinken die jährlichen Stromkosten um Hunderte Euro. Tatsächlich ist der regelmäßige Wechsel des Energieversorgers einer der effektivsten Hebel, um die Haushaltskasse spürbar zu entlasten. Doch die Realität auf den großen Portalen hält für unbedarfte Sparer eine böse Überraschung bereit.
Wer nicht genau hinsieht, unterschreibt oft einen Vertrag, der sich im zweiten Jahr als extreme Kostenfalle entpuppt. Wir von der *Geldspur*-Redaktion zeigen Ihnen, worauf Sie beim Stromvergleich wirklich achten müssen und wie Sie die Tricks der Anbieter geschickt umgehen.
## Das Problem mit dem schönen Schein: Die Bonus-Falle
Wenn Sie die gängigen Vergleichsportale öffnen und Ihre Postleitzahl sowie Ihren Jahresverbrauch eingeben, blinken Ihnen sofort sensationell günstige Tarife entgegen. Ersparnisse von 300, 400 oder gar 500 Euro werden dort versprochen. Doch diese Zahlen sind oft künstlich schöngerechnet.
Der Grund dafür sind sogenannte **Neukunden- und Sofortboni**. Diese Einmalzahlungen werden von den Anbietern im ersten Vertragsjahr gewährt, um den Preis optisch nach unten zu drücken. Das Problem dabei: Ab dem zweiten Jahr fällt dieser Bonus komplett weg. Gleichzeitig erhöht sich oft der reguläre Arbeitspreis pro Kilowattstunde.
Wer dann vergisst, rechtzeitig wieder zu kündigen, zahlt im zweiten Jahr kräftig drauf – oft weit mehr, als er im ersten Jahr gespart hat. Die Portale verdienen an diesen schnellen Wechseln durch Provisionen mit, weshalb die Standardeinstellungen diese Boni meist automatisch mit einrechnen.
## Finger weg von Pakettarifen und Vorkasse
Ein weiterer Stolperstein, der zwar seltener geworden ist, aber immer noch existiert, sind sogenannte **Pakettarife**. Hier kaufen Sie eine feste Menge an Strom ein – beispielsweise 3.000 Kilowattstunden pro Jahr.
Das klingt zunächst kalkulierbar, hat aber zwei massive Haken: 1. **Minderverbrauch verfällt:** Wenn Sie am Ende des Jahres nur 2.500 Kilowattstunden verbraucht haben, erhalten Sie kein Geld zurück. Die restlichen 500 Kilowattstunden sind verfallen. 2. **Mehrverbrauch wird extrem teuer:** Jede einzelne Kilowattstunde, die Sie über Ihr Paket hinaus verbrauchen, lassen sich die Anbieter mit astronomischen Preisen bezahlen.
Ebenso dringend raten wir von Modellen mit **Vorkasse** ab. Sollte der Stromanbieter während Ihrer Vertragslaufzeit Insolvenz anmelden müssen – wie es in der Vergangenheit bei einigen Billiganbietern der Fall war –, ist Ihr im Voraus gezahltes Geld in den meisten Fällen unwiederbringlich verloren.
## So filtern Sie richtig: Der Sicherheits-Fahrplan für den Wechsel
Damit Ihr Stromwechsel nicht zum teuren Reinfall wird, sollten Sie die Suchmasken der Vergleichsportale vorab manuell anpassen. Verlassen Sie sich niemals auf die Standard-Voreinstellungen. Nutzen Sie stattdessen unseren Drei-Schritte-Sicherheitscheck:
### 1. Boni ausblenden oder weise einrechnen Stellen Sie in den Filtereinstellungen ein, dass Boni *nicht* in den Gesamtpreis eingerechnet werden sollen. Nur so sehen Sie den tatsächlichen, monatlichen Abschlag, den Sie auch im Falle einer Vertragsverlängerung zahlen müssten. Wenn Sie sich dennoch für einen Tarif mit Bonus entscheiden, stellen Sie sich am besten sofort am Tag des Vertragsabschlusses eine Erinnerung im Kalender ein, um rechtzeitig vor Ablauf des ersten Jahres wieder zu kündigen.
### 2. Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist begrenzen Wählen Sie Tarife mit einer maximalen Erstlaufzeit von 12 Monaten. Die Kündigungsfrist sollte nicht mehr als einen Monat betragen. Seit dem März 2022 gilt ohnehin: Nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit müssen sich Verträge monatlich kündigen lassen. Achten Sie darauf, dass der Tarif eine Preisgarantie enthält, die sich über die gesamte Erstlaufzeit (also mindestens 12 Monate) erstreckt.
### 3. Die Preisgarantie genau prüfen Achtung bei der Formulierung: Eine „eingeschränkte Preisgarantie“ schützt Sie vor Preiserhöhungen des Anbieters, schließt aber Erhöhungen durch staatliche Steuern, Abgaben oder Netzentgelte aus. Das ist branchenüblich und meist akzeptabel. Eine „vollständige Preisgarantie“ ist noch besser, aber extrem selten und oft teurer.
## Unser Geldspur-Fazit: Wechseln ja, aber mit klarem Blick
Lassen Sie sich nicht von den bunten Werbebannern der Vergleichsportale blenden. Ein Stromwechsel lohnt sich fast immer – besonders dann, wenn Sie noch in der teuren Grundversorgung Ihres lokalen Anbieters stecken. Mit den richtigen Filtereinstellungen holen Sie das Maximum für Ihre Haushaltskasse heraus, ohne Angst vor der nächsten Jahresabrechnung haben zu müssen. Nehmen Sie sich die zehn Minuten Zeit, es zahlt sich bar aus!
Redaktionelle Bearbeitung durch Geldspur. Ausgangsmeldung: CHIP Online Deutschland
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