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Vereinsleben

Kredit-Trick der Kommunen: Wenn Ihr Sportverein plötzlich Schulden für die Stadt machen soll

Viele Städte sind pleite, doch die Sportplätze verrotten. In Hofheim zeigt sich nun ein neuer Trend: Vereine sollen Kredite aufnehmen, während die Stadt die Tilgung übernimmt. Doch Vorsicht – auf die Mitglieder können erhebliche Kosten zukommen.

Melanie Baumann
Melanie Baumann/Melanie Baumann zeigt unseren Leserinnen und Lesern, wie man auch mit kleinem Budget effektiv spart und langfristig Vermögen aufbaut. Sie ist unsere Expertin für Alltagsfinanzen, Versicherungsvergleiche und Haushaltsoptimierung./14. Oktober 2026, 23:24 Uhr
Kredit-Trick der Kommunen: Wenn Ihr Sportverein plötzlich Schulden für die Stadt machen soll

Es ist ein Bild, das sich derzeit in vielen deutschen Städten und Gemeinden bietet: Die Kassen sind leer, doch die Infrastruktur bröckelt. Besonders hart trifft es oft die lokalen Sportvereine. Ein aktueller Fall aus dem hessischen Hofheim am Taunus zeigt nun jedoch eine kreative – und für Verbraucher durchaus riskante – Methode der Finanzierung.

An der Zeilsheimer Straße in Hofheim ist der Kunstrasenplatz so marode, dass die Schiedsrichter bald den Anpfiff verweigern könnten. Es drohen gesundheitsgefährdende Stolperfallen. Die Sanierung kostet rund 400.000 Euro. Geld, das die Stadt schlichtweg nicht hat. Die Lösung, die nun diskutiert wird: Die betroffenen Vereine – der SV 09 Hofheim und der Rote Stern – sollen selbst den Kredit aufnehmen. Die Stadt übernimmt zwar die jährliche Tilgung, die Zinsen aber müssen die Vereine selbst stemmen.

Was auf den ersten Blick wie eine pragmatische Partnerschaft aussieht, wirft bei genauerem Hinsehen erhebliche finanzielle Fragen für Vereinsmitglieder, Spender und ehrenamtliche Vorstände auf. Wir von *Geldspur* haben das Modell analysiert.

### Das „Kelkheimer Modell“: Kosmetik für den städtischen Haushalt

Die Idee hinter diesem Finanzierungsmodell stammt aus der Nachbarstadt Kelkheim. Der Trick dabei ist vor allem buchhalterischer Natur: Würde die Stadt Hofheim die 400.000 Euro im nächsten Jahr direkt investieren, würde das den städtischen Haushalts- und Investitionsplan massiv belasten.

Verteilt man die Summe jedoch über einen Kreditvertrag auf zehn Jahre, tauchen im städtischen Haushalt jährlich nur rund 40.000 Euro für die Tilgung auf. Das schont die kurzfristige Liquidität der Kommune und lässt die Zahlen freundlicher aussehen. Die Stadt bürgt zudem für den Kredit (Ausfallbürgschaft). Doch die entscheidende Lücke in diesem Plan betrifft die Zinsen.

### Die Zins-Falle: Wer zahlt die Zeche?

Die Philosophie hinter dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung: Die Sportler sollen einen eigenen Beitrag leisten und den Platz nicht einfach „geschenkt“ bekommen. Die Vereine sollen die Zinsen über Sponsoren, Spenden oder Benefizspiele einnehmen.

Doch hier liegt die finanzielle Krux für die Betroffenen:

* **Unterschätzte Zinslast:** Bei einer Kreditsumme von 400.000 Euro und einer Laufzeit von zehn Jahren summieren sich die Zinsen – selbst bei guten Konditionen für Vereine – schnell auf einen fünfstelligen Betrag. Bei einem angenommenen Zinssatz von beispielsweise 3,5 bis 4 Prozent sprechen wir über erhebliche jährliche Belastungen, die der Verein erst einmal erwirtschaften muss. * **Der Druck auf die Mitglieder:** Wenn Spenden und Sponsoren ausbleiben, bleibt den Vereinen oft nur ein Weg: die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge. Was als sportliche Initiative beginnt, könnte für Familien und aktive Sportler im Ort schnell zu einer spürbaren Mehrbelastung im Portemonnaie führen. * **Ungleichbehandlung:** Wie auch die Hofheimer FDP kritisierte, stellt sich die Frage der Gerechtigkeit. Warum müssen Fußballer für ihre Infrastruktur Zinsen zahlen, während andere Vereine oder städtische Einrichtungen voll subventioniert werden?

### Ehrenamt im Risiko: Was Vorstände beachten müssen

Für Menschen, die sich ehrenamtlich im Vorstand eines Vereins engagieren, birgt dieses Modell eine ganz neue Dimension der Verantwortung. Wer einen Kreditvertrag über Hunderttausende Euro unterzeichnet, sollte genau prüfen, worauf er sich einlässt.

Zwar schützt die Ausfallbürgschaft der Stadt den Verein vor der direkten Zahlungsunfähigkeit, sollte die Tilgung nicht geleistet werden können. Dennoch haftet der Verein für die Zinszahlungen. Kommt es hier zu Engpässen, gerät der Vorstand schnell in die Pflicht. Ehrenamtliche sollten sich vor solchen Zusagen immer rechtlich und finanziell absichern und das Modell im Detail von einem unabhängigen Finanzberater oder dem Landessportbund prüfen lassen.

### Geldspur-Ratgeber: Darauf sollten Vereinsmitglieder jetzt achten

Wenn auch in Ihrer Gemeinde ein solches Finanzierungsmodell für Sportplätze, Hallen oder Vereinsheime diskutiert wird, sollten Sie als Mitglied oder Unterstützer folgende Fragen stellen:

1. **Wie hoch ist die reale Zinsbelastung?** Lassen Sie sich eine detaillierte Beispielrechnung über die gesamte Laufzeit (z.B. 10 Jahre) vorlegen. 2. **Gibt es eine Zinssicherung?** Angesichts schwankender Märkte sollte unbedingt ein Festzins vereinbart werden, um böse Überraschungen zu vermeiden. 3. **Wer haftet im Ernstfall?** Ist vertraglich absolut wasserdicht geregelt, dass die Stadt bei unvorhergesehenen Krisen des Vereins auch die Zinslast übernimmt? 4. **Wie wird das Geld generiert?** Gibt es bereits feste Zusagen von Sponsoren, oder basiert der Plan lediglich auf der Hoffnung auf zukünftige Spenden?

### Fazit: Ein Modell mit Risiken und Nebenwirkungen

Das Hofheimer Modell zeigt, wie kreativ klamme Kommunen werden müssen, um ihre Pflichten zu erfüllen. Für die Stadt ist es ein bequemer Weg, die eigenen Bilanzen zu schönen. Für die Vereine und ihre Mitglieder jedoch ist es eine Wette auf die Zukunft.

Wer in den kommenden Jahren nicht mit drastisch steigenden Mitgliedsbeiträgen oder dauernden Spendenaufrufen konfrontiert werden möchte, sollte bei solchen „kreativen“ Finanzierungsideen ganz genau hinschauen. Bürgernah und sportfördernd sieht im Zweifel anders aus.

Redaktionelle Bearbeitung durch Geldspur. Ausgangsmeldung: Frankfurter Neue Presse

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